Als ich kurz vor 18.00 beim Rockhouse in Salzburg ankomme, Red Bull Salzburg hat gerade der Wiener Austria drei Punkte abgerungen, hat sich schon eine beachtliche Schlange vor dem Eingang gebildet. Aber keinen Stress, der Midgard-Gig beginnt eh erst um 18.15. Kurz noch ein paar Freunde begrüßt, und ab in die Halle. Aber welch Überraschung, wieder ein Mal wurde die erste Band schon früher als angekündigt auf die Bühne geschickt. Dem entsprechend spärlich ist auch noch die Kulisse…
Zum Glück für die extra aus der Steiermark angereisten Midgard füllt sich die Halle dann doch zusehends und die Metal Fans bekommen von den Openern dann auch einen lässigen modernen Melodic Death Metal vor den Latz geknallt. Der Sound lässt wie gewohnt kaum Wünsche offen und die Jungs haben einige feine Melodien auf Lager, ohne allerdings die nötige Härte vermissen zu lassen. Als besonders gelungene Ohrwürmer erweisen sich vor allem „Against And Again“ und „In My Darkest Hour“ von dem im Mai erschienenen 3-Track Demo. Im Gegensatz zu auch schon etablierten Acts muss man sich die Ohrenstöpsel nicht bis zum Anschlag in die Ohren schieben, um die clean gesungenen Passagen einigermaßen ohne Würgreiz überstehen zu können, Peter Fritz (Vocals, Rhythmusgitarre) und Jan Zelenka (Bass) haben ihre Stimmen definitiv bestens unter Kontrolle.
P.S.: Schaut in nächster Zeit mal auf der Homepage von Midgard vorbei, die erste full-length CD ist so gut wie fertig und lässt nach dieser Performance einiges erwarten…
Überraschenderweise entern dann auch schon unsere Salzburger Death/Black Sickos Belphegor die Bühne. Das Venue ist rappelvoll und Dank des Behemoth Mischers passt auch endlich ein Mal der Sound. Kann schon sein, dass ich ein kleiner Nörgler bin, aber eine Band die dermaßen Gas gibt braucht einen differenzierten Sound, sonst kommt nur ein matschiger, schriller Lärm rüber und darauf kann ich gerne verzichten. So können sie auch den größten Skeptikern zeigen was sie technisch drauf haben. Rasende Soli, geile Riffs und hinter dem Schlagzeug verdrischt Nefastus die Fälle, dass einem Hören und Sehen vergehen. Geil auch, dass sie den Doom-Hammer „Sepulture Of Hypocrisy“ von der aktuellen "Goatreich - Fleshcult" Scheibe auf die Zuhörer loslassen und so die darauf folgenden Knüppel Songs noch extremer anmuten lassen. Einige Bier später treffe ich dann Sigurd (Gitarre) und Helmuth (Vocals, Gitarre), die mir verraten, dass sie schon im November wieder ins Studio gehen werden. Dieses Mal wird allerdings nicht Alex Krull (Atrocity) die Produktion übernehmen, sondern Andy Classen, im Stage One Studio in Kassel. Neben zwei doomigen Songs soll es wieder das volle Brett geben, wenn ich mich richtig erinnere wird der Silberling im April 2006 erscheinen.
Weiter geht es dann mit Incantation . Die Amis werkeln schon seit 15 Jahren im Old-School Death Metal Underground herum, trotzdem ist es für mich heute die Live Premiere (Schande über mein Haupt…). Das leider wieder zum Trio geschrumpfte Todeskommando bemüht sich zwar redlich, doch der Funke will nicht so wirklich auf die Besucher überspringen. Da helfen auch die ständigen „Hell ***** Hell“ Anfeuerungsrufe des einzigen noch verbliebenen Urmitglieds John MCEntee herzlich wenig. So kommt es wie es kommen musste, die Reihen begannen sich zu lichten…
Behemoth können im Anschluss das Feuer wieder zum lodern bringen, wie schon Ende März beim Spring Metal Festival in der Arge Nonntal. Einige der Hardliner zeigen sich zwar etwas enttäuscht, dass sich die Polen immer weiter von ihren Black Metal-Roots entfernen, der Großteil der anwesenden Freaks scheint dies aber nicht zu stören. Der Stimmungs-Parameter erreicht bei „Conquer All“ und „Slaves Shall Serve“ von der aktuellen Platte „Demigod“ den Höhepunkt und auch „From Pagan Vastlands“ wird gehörig abgefeiert.
Bei Unleashed kann ich gleich eins vorwegnehmen: die Schweden haben sich ihren Platz am schwedischen Deathmetal-Olymp wieder zurückerobert. Nachdem das Schiff der Vikinger nach der Reunion-Scheibe „Hell`s Unleashed“ eine gehörige Schlagseite erlitt, bekamen sie ihr sinkendes Schiff mit der aktuellen CD „Sworn Allegiance“ wieder flott und haben sich nach diesem Auftritt endgültig wieder rehabilitiert. Die Spielfreude ist den Musikern von der ersten Sekunde weg anzumerken und das bangende Volk haben die Vier bei ihrem Querschnitt ihres musikalischen Schaffens zu jeder Zeit im Griff. Übrigens erscheint demnächst eine DVD vom Auftritt beim heurigen „With Full Force“-Festival.
Nile trifft dann wohl das harte Los des Headliners, denn erstens ist es immer schwer nach einem Auftritt wie in Unleashed hinlegte eins drauf zu setzen und zweitens dürfte sich ein Teil der Besucher schon auf dem Heimweg befunden haben, um noch eine Mütze voll Schlaf zu erhaschen. Zwar versetzen die Ägyptologen dank ihrer technischen Fähigkeiten den Großteil der Verbliebenen ins Staunen, stimmungsmäßig können sie mit den vorigen Bands jedoch nicht mithalten. Schade eigentlich, denn die komplexen Songs, bei denen sich teilweise alle drei Fronter die Seele aus dem Leib grunzen, kommen auch live sehr tight und punktgenau rüber, zumal der Sound immer noch spitzenmäßig ist.
Fazit: Das Harvest Festival-Package konnte größtenteils die Erwartungen erfüllen und das wurde auch vom zahlreich erschienen Publikum würdig honoriert. Nachdem sich metalmäßig in den letzten Monaten im Rockhouse , bis auf das geile Konzert von Stygma IV herzlich wenig abgespielt hat, geht`s vor allem im Oktober Schlag auf Schlag, erkundigt euch am besten auf der Homepage vom Rockhouse oder bei Rockthenation.
Noch ein Tipp für den 8. Oktober. Im Kulturzentrum Mark (Aigner Straße 57) geht die Metal Night nach der Sommerpause wieder in die nächste Runde. Neben Dj Roli, werden euch dort „Dicht“ mit zahlreichen metallischen Coverversionen einheizen, außerdem könnt ihr bei dieser Gelegenheit auch eine Karte für das „Six Feet Under“ Konzert (26. Okt., Rockhouse) gewinnen. Falls das noch nicht Gründe genug sind, die Getränke sind sehr günstig…